„Gottkomplex“ Eine Tragik-Komödie in 3 Akten

Die Figuren-Namen des Stücks sind frei erfunden. Jedwede Ähnlichkeit zu lebenden Personen ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass die Handlung eventuell auf wahren Begebenheiten beruht.

Die handelnden Personen:

Luise: Eine überaus attraktive NF2 Patientin in der Blüte ihres Lebens.

Luises Eltern: engagiert und aufbrausend, nachstehend mit Vater und Mutter bezeichnet.

Frau Berger: Eine kompetente und zuvorkommende medizinische Fachangestellte in einer großen Radiologie-Praxis in Österreich.

Frau Konrad: Eine weniger kompetente und barsche medizinisch-fachliche Radiologie-Assistentin mit fragwürdigem Einfühlungsvermögen in derselben Praxis.

Dr. Novak: Die medizinische Leitung jener Praxis, dessen Gottkomplex nicht auf diese Seite passt

Prolog

Nach der erfolgreichen Entfernung (mediz. Resektion, Anmk. der Autorin) eines Tumors des Kaumuskelnervs, wird Luise gebeten, ein postoperatives Kontroll-MRT des Kiefers anfertigen zu lassen. In Österreich, anders als in Luises Heimatland, ist vor jedem MRT die Überweisung des Hausarztes/ der Hausärztin von der zuständigen Krankenkasse bewilligen zu lassen. JEDES einzelne MRT. Da sich zeitgleich auch anhaltende Beschwerden in der Schulter bemerkbar machten, bittet Luise ihre Hausärztin ebenfalls ein MRT der besagten Schulter anzuordnen. Die Überweisung wird bewilligt und nach einer längeren Wartezeit ist der Tag des Termins da.

1. Akt : „Geld regiert die Welt 

Luise betritt die geräumige Praxis und händigt der Frau Berger an der Annahme ihre Überweisung aus.

Luise: „Ich habe einen Kontroll-Termin des Kiefers und der Schulter.“

Frau Berger (nach kurzem Schweigen): „Es tut mir leid, aber Sie haben nur die Bewilligung für die Schulter.“

Beide schauen erst sich an und dann auf das zwischen ihnen liegende Papier. Als Diagnose wird NF2, und als Anweisung die Kontrollaufnahme des Kiefers der Schulter angeführt. Lusises Blick wandert stirnrunzelnd zu dem Stempel der Krankenkasse, Vermerk: „1 MRT bewilligt“. Der Augenblick zieht sich in die Länge.

Luise: „Ich habe so lange auf den Termin gewartet. Mein Professor wartet auf das MRT des Kiefers.

Frau Berger: „Es tut mir leid…“

Luise: „Gibt es eine andere Möglichkeit? Kann ich die zweite Überweisung nachreichen?“

Frau Berger: „Das muss aber bewilligt sein.“

Luise: „Das ist ja kein Problem!!!“

Frau Berger: „In Ordnung.“ (Sie dreht sich um, holt einige Formulare aus einem Schrank und kehrt zurück zum Tresen zurück.) „Sie müssen jetzt 50 Euro dafür zahlen, dass wir ohne Bewilligung ein MRT machen.“ (Sie erklärt den Sachverhalt, während Sie mit einem Kugelschreiber die einzelnen Abschnitte auf dem Formular antippt.) „Sie haben anschließend zwei Wochen Zeit, um die zweite bewilligte Überweisung abzugeben und die 50 Euro zurückzuerhalten. Wen Sie dies nicht tun, müssen Sie für die Kosten des MRT’s selbst aufkommen.“ (Sie blickt auf).

Luise (nickt).

Frau Berger: „Gut. Dann einmal hier unterschreiben.“ (Sie schiebt das Blatt herum und reicht Luise ihren Kugelschreiber und anschließend eine Kopie sowie den bekannten Fragebogen zum Ausfüllen.) „Wurde bei Ihnen schon einmal ein MRT gemacht?“

Luise (lächelt:) „Ja.“

Frau Berger: „Auch vom Kiefer?“

Luise: „Ja.“ (Sie überlegt hinzuzufügen, dass jenes MRT sogar in der Praxis gemacht wurde, entscheidet sich jedoch dagegen.)

Frau Berger: „In Ordnung“ (Sie reicht der Patientin ihre Unterlagen). „Sie können in den Wartebereich gehen. Geradeaus und dann rechts.“

2. Akt „Überall Tumore“

Luise macht sich mit einem Schmunzeln von dannen. Im besagten Bereich wird sie schon von einer Radiologie-Assistentin mittleren Alters erwartet.

Frau Konrad: „Frau Luise X?“

Luise (nickt und lächelt.)

Frau Konrad (streckt die Hand für die Unterlagen aus:) „Sie können sofort mitkommen.“

Sie geht voran in eine abschließbare Umkleidekabine die unmittelbar an das MRT Untersuchungsräume anschließen. „Machen Sie sich bitte frei. Ich komme Sie dann holen und verlässt den knapp 1qu messenden Raum. Luise zieht ihre Hose und Oberteile aus. Sie öffnet ihre Haare und legt das Hörgerät auf eine schmale Ablage. Während sie wartet, trinkt Sie noch einige Schlucke von ihrem Café und überlegt, ob sich der Raum für ein Post auf Instagram eignet. Es klopft leise und die Assistentin kehrt mit den unangenehmen Utensilien für einen Zugang herein. Sie setzen Sich auf die bescheidene gepolsterte Bank. Luise schaut zu. Es piekst nur merklich. Gleich darauf wird Luise gebeten in den Untersuchungsraum zu gehen. Das MRT Gerät nimmt den Großteil des hellen Raumes ein. Das Licht ist kühl und Luise nimmt auf der Liege Platz. Sie wird mehrmals gebeten, ihre Position zu ändern bis sie exakt unter dem roten Kontrollstrahl liegt. Der Zugang am Arm wird mit dem Kontrastmitteltropf verbunden, der Panikknopf in ihre Hand gelegt und die Kopfhörer aufgesetzt.

Frau Konrad: „Bleiben Sie ruhig liegen.“

(c) Ken Treloar Quelle: unsplash.com

(c) Ken Treloar Quelle: Unsplash.com

Die Trage bewegt sich in die Röhre. So weit, dass man die Umrisse der Beine unter der Decke noch sehen kann. Nach 15 Minuten betritt Frau Konrad den Untersuchungsraum und drückt einen Knopf am MRT Gerät. Die Liege fährt er heraus und sofort werden die für eine Kopfuntersuchung benötigten Manschetten und Utensilien aus einem Schrank geholt und angebracht.

Frau Konrad: „Wir machen dann jetzt den Kiefer.“

Luise (nickt).

Die Vorgehensweise wiederholt sich. Luise liegt wieder im MRT-Gerät und ist dank eines kleinen Spiegels, welcher nur wenige Zentimeter von ihrer Stirn etwas schräg angebracht ist, in der Lage, in das durch ein großes Glasfenster getrennte angrenzende Zimmer zu schauen: vor mehreren Bildschirmen sitzt Frau Konrad und verfolgt die Untersuchung. Anderes Fachpersonal kommt und geht. Man plaudert kurz, schaut gemeinsam auf den Bildschirm. Ein Mann in weißem Kittel bleibt länger. Die Unterhaltung der beiden ist angeregt. Luise wird mit der Zeit nervös. Plötzlich wird die Tür zum MRT Raum aufgerissen und P aus dem Gerät geholt.

Frau Konrad (redet aufbracht auf die schwerhörige Patientin ein, während sie ihr die Kopfhörer abnimmt): „Das (unverständlich) … Überweisung … (unverständlich). „SIE VERSTEHEN MICH GAR NICHT ODER?“

Luise: (lächelt unsicher und schüttelt den Kopf).

Frau Konrad: „WIR WISSEN NICHT WAS WIR KONTROLLIEREN SOLLEN, SIE HABEN JA ÜBERALL TUMORE IM KOPF. DA und DA (Sie berührt Stellen in Luises Gesicht).

Luise: „Ich weiß. Es soll aber nur eine Kontrolle des Kiefers gemacht werden. Es ist eine Kontrolle nach einer OP. Ich habe NF2.“

Frau Konrad: „Nur der Kiefer? Also das muss die Ärztin vermerken, wir wussten gar nicht, was wir machen sollten!“

Luise: „Nur der Kiefer.“

Frau Konrad: „In Ordnung.“ Sie bedient das MRT und die Liege wird zum dritten Mal an diesem Vormittag in das Gerät gefahren.

Nach weiteren 20 Minuten ist die Untersuchung vorbei. Die Assistentin hat sich beruhigt. Luise verhält sich unsicher und spricht Frau Konrad nochmals auf die Untersuchung an.

Luise: „Das heißt auf der Überweisung muss detaillierter vermerkt sein, was gemacht werden soll?“ (Gleichzeitig fragt sie sich, wie detaillierter man es auf dem Befund hätte formulieren sollen).

Frau Konrad: „Ja. So geht das nicht.“

Luise kehrt in die kleine Umkleidekabine zurück und während Sie sich wieder anzieht fragt Sie sich, wie wohl jemand auf das Verhalten von Frau Konrad reagieren würde, der noch keine Diagnose bekommen hätte oder emotional nicht gefestigt ist. Ihr wird bei der Vorstellung schlecht und bewusst, dass die Untersuchung alles andere als korrekt ablief. Als sie nochmal am Empfangstresen vorbeikommt, fragt Luise sicherheitshalber nochmals nach, was genau auf der nachzureichenden Überweisung stehen muss.

Frau Berger: „Die haben heute ihren ganzen Hals gemacht.“

Luise: „Äh… okay. Also HWS (Halswirbelsäule, Anmk. der Autorin) oder was muss draufstehen?“

Frau Berger (schaut noch einmal auf eine Anmerkung von Frau Konrad.) „Einfach nur Hals.“ (Sie händigt Luise Kopien der schriftlichen Vereinbarung über die Nachreichung aus): „Sie haben 2 Wochen Zeit, die neue Bewilligung abzugeben. Über die Ergebnisse werden Sie elektronisch informiert. (Sie lächelt freundlich zum Abschied).“

Luise nickt und verlässt mit gemischten Gefühlen und in Gedanken noch immer bei der Tirade von frau Berger die Praxis. „Sie haben überall Tumore.“Wer sagt so was?

3. Akt Gottkomplex

Als Luise das Praxisgebäude verlassen hat, erreicht die Erkenntnis ganz ungerecht, ja geradezu respektlos behandelt worden zu sein, langsam ihr Bewusstsein und verfestigte sich nach dem obligatorischen Anruf bei der Frau Mutter. Deren liebenswertes wie direktes Gemüt kann in Sekundenschnelle einen Wut-Pegel erreichen, dass es sprichwörtlich Gift und Galle aus ihren Augen sprüht, sie sich vor lauter Empörung verhaspelte und sich die Haut rot verfärbt. Besonders im Kampf um und mit ihren Kindern eine amüsante wie beachtenswerte Eigenschaft. Luise liebt Sie unter anderem dafür. Genauso wie jeder andere auch. Sie erzählt ihrem Lebensgefährten und engen Freunden von der ungewöhnlichen Untersuchung, alle reagierten gleich: verblüfft, verärgert, wütend. Auch Luise konnte die Erinnerung und das unangenehm anhaltende Gefühl der Ungerechtigkeit und Machtlosigkeit nicht loswerden. So besucht Sie direkt in der nächsten Sprechstunde ihre Hausärztin und lässt sich eine neue Überweisung für den Hals ausstellen und bei der zuständigen Krankenkasse bewilligen. Ohne problematische Vorkommnisse. Wenige Tage später betritt Sie widerwillig die radiologische Praxis und ist froh, die freundliche Angestellte am Empfangstresen wiederzusehen. Auch diese erkennt Luise wieder und lächelt.

Luise: Guten Morgen!

Frau Berger: Hallo!

Luise legt die neue Bewilligung auf den Tresen und erst als Frau Berger die Unterlage inspiziert und nickt, fühlt sie Erleichterung. Frau Berger reicht ihr kurzerhand die hiterlegten 50 Euro aus und lässt Sie die Rückgabequittung unterschreiben. Beschwingt verlässt Luise dieses Mal das Gebäude noch unwissend über die Beleidung, die noch auf sie wartet.

Wiederum einige Tage später erreicht Luise eine Mail mit ihren elektronischen Befunden und Sie staunt nicht schlecht. Erfreuliches zuerst: ihre Schulterschmerzen stehen in keinem Kontakt zur NF2. Dafür werden zahlreiche Tumore im Kopf und der HWS (Halswirbelsäule, Anmk. der Autorin) angeführt. Von einem Wachstum der Tumore ist nirgendwo die Rede. Luise leitet die Mail sogleich an ihren Vater weiter, der tumortechnisch am Besten über seine Tochter Bescheid weiß. Neben den Neurochirurgen natürlich. Und Luise selbst, die eine fast telepathische Beziehung zu ihren Tumoren hat. Als Sie daraufhin den Befund noch einmal aufmerksam durchliest stutzt sie, denn in der Beurteilung heißt es doch tatsächlich:

„[…] Differenzialdiagnostisch einerseits Neurinome (Neurinom = gutartiger Tumor, Anmk. d. A.), andererseits auch Gliome (Gliom = Sammelbegriff für Gehirntumore des zentralen Nervensystems, Anmk. d. A.) denkbar. Zusätzlich multiple Neurinome/ Neurofibrome (Neurofibrom = Nerventumor Anmk. d. A.)im Bereich des Spinalkanals zervikal. Eine Neurofibromatose sollte ausgeschlossen werden.“

Luise (denkt): „Eine Neurofibromatose sollte ausgeschlossen werden.“ EINE NEUROFIBROMATOSE SOLLTE AUSGESCHLOSSEN WERDEN?! WOLLEN DIE MICH **********??? DIESE *******!!!!!!!!!

Der Vater bestätigt Luise, dass diese ******* jeden bekannten Tumor – und eben auch schon bei ihrer letzten MRT Kontrolle in derselben Praxis bekannten und benannten Tumor – angeführt wurde, ohne auf einen Vergleich mit dem letzten MRT Befund herzustellen, geschweige denn auf das postoperative Gebiet im Kiefer einzugehen, worauf Luise vor und während der Untersuchung mehrmals hinwies. So wartete Luise mit ihrem Antwortschreiben nicht lange:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

danke für die übermittelten Befunde.

Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich keine neue Patientin bin, sondern schon einmal präoperative Aufnahmen anfertigen ließ (Personalakte?)

Die in dem neuen Befund angeführte „Verdachtsdiagnose“ einer Neurofibromatose ist seit 15 Jahren bekannt. Es sollte eine Kontrolluntersuchung vom Kiefer (postoperativ) angefertigt werden und keine Kontrolle schon bekannter Tumore in Hals und Gehirn.

Dies stand auch auf der Überweisung (auch wenn diese aufgrund der fehlenden Bewilligung nochmals nachgereicht werden musste).

Ich bitte um einen erneuten Termin für eine Kontrolluntersuchung des Kiefers und ausschließlich dessen.

Beste Grüße Luise.“

Erwartet hatte Luise nun eine Antwort mit einer etwaigen Erklärung des Missverständnisses, doch zumindest mit einem neuen Termin. Wie in noch nie dagewesener Weise, wird Sie von einem Menschen mit medizinischer Ausbildung enttäuscht, ja nein aufs Gröbste beleidigt. Und das nicht von irgendeiner/ irgendeinem Mitarbeiter*in. Nein, von der medizinischen Leitung der Praxis. Ein Mensch mit mehreren Titeln schreibt Luise:

„Sehr geehrte Frau Luise X,

Ich gebe Ihnen recht, sie sind keine neue patientin, es existiert eine voruntersuchung aus unserem Institut, darüber hinaus liegen mitgebrachte vorbefunde aus früheren Jahren auf.

Die Untersuchung am XX.XX.XXXX wurde aus Kulanz (= freiwilliges Entgegenkommen, Anmk. der Autorin) durchgeführt, um ihnen wege und erneute wartezeit zu ersparen. Streng gesehen, dürfte wir ihnen nur nach vorlage einer genehmigten zuweisung untersuchen – diese hatten sie nicht dabei – uns jetzt vorzuwerfen, auf die darauf stehenden punkte nicht eingegangen zu sein, finde ich gelinde gesagt dreist !

Ich lasse in ihrer akte vermerken, dass sie in zukunft nur mehr bei vorheriger erfüllung sämtlicher vorgeschriebener bürokratischer auflagen untersucht werden !

Eine erneute untersuchung ist sicherlich nicht notwendig, ich habe mir die bilder angesehen, eventuell auftauchende zusätzliche fragen können sicher auch im nachhinein beantwortet werden. Bitte diese dann direkt an den sie untersuchenden arzt (Dr. No) richten.

mit freundlichen grüßen Doktor Novak“

Luise traut ihren Augen nicht. Es trifft sie gleichzeitig: der Stich ins Herz und der Schlag in die Magengrube. Als ihre Augen das Ende des zweiten Absatzes erreichen, ist sie nur noch in der Lage die Worte zu überfliegen. Konnte es sein, dass dieser Mensch wirklich meinte, was er schrieb? Und Sie und ihr Verhalten „dreist“ schimpfte. Sie muss kämpfen, um nicht zu Weinen. Aus Wut, wie sie es selten tat. Sie leitete die Mail ihren Eltern weiter und dann … explodiert Sie. Und mit voller Wucht schlägt Sie auf.

Ihr Ausbruch wiederholt sich in verschiedenen Variationen daraufhin noch einige Male: während des Telefonats mit Ihrer Mutter (deren Ausbruch wiederum den ihrer Tochter übertrifft), dem Mail-Verkehr mit ihrem Vater (der den Kenntnisstand und das Verhalten der Ärzte überlegen belächelt), in den Whatsapp-Nachrichten mit ihren Freunden und als sie den Sachverhalt ihrem Freund gebärdet (der wütend zurückgebärdet).

Epilog

Luise konnte die beschämenden Worte der ärztlichen Leitung nur schwer vergessen. Immer wieder fanden sie ihren Weg zurück in ihr Gedächtnis, wobei sich nach wie vor der Magen zusammenzog. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich – wortgewandt wie sie war – dazu entschloss, darüber zu schreiben und die Geschichte somit loszulassen. Nachdem sich vor ihrem inneren Auge wieder alles vergegenwärtigt hatte, fanden sich die Worte für ein Antwortschreiben wie von selbst und sie kam zu dem Schluss, dass Sarkasmus schon immer, wenn nicht die Beste, dann doch zumindest die unterhaltsamste Lösung ist.

„Betreff: Glückwunsch

Sehr geehrter Dr. Novak

Entschuldigen Sie die verspätete Rückmeldung. Ich musste mich zuerst versichern, ob ihre letzte Mail wirklich absichtlich abgeschickt wurde oder es sich um ein Versehen handelte. Da Sie bis dato keine weiteren Kontaktversuche unternahmen, um mich kleinlaut um Verzeihung zu bitten, nehme ich an, dass Sie in vollem Besitz ihrer geistigen Fähigkeiten sind.

Mir bleibt in diesem Fall nichts anderes übrig, als entsprechend auf ihre Nachricht zu reagieren und Ihnen zu gratulieren:

Herzlichen Glückwunsch!!!!

Sie haben sich den 1. Platz auf meiner Liste der Ärzte/ Ärztinnen mit Gottkomplex auf Lebenszeit gesichert!

(c) Rawpixel Quelle: unsplash.com

(c) Rawpixel Quelle: unsplash.com

Ich darf Ihnen mit gutem Gewissen mitteilen, dass dies angesichts meiner Krankenhausbiographie und meiner schier unendlich vielen Bekanntschaften mit medizinischem Personal etwas ganz Besonderes ist, und sie sich darauf gerne etwas einbilden können – was offensichtlich zu Ihren Lieblingsbeschäftigungen gehört.

Falls Sie sich fragen, weshalb gerade Ihnen diese Ehre zu Teil wird, kann ich Sie beruhigen: es gibt so einige Indikatoren, nachstehend für Sie aufgelistet:

  1. Sie geben mir zwar recht, dass eine Personalakte und Befunde von mir vorliegen, weitere Erklärungen warum diese bei der Beurteilung der Bilder aber nicht zu Rate gezogen wurden bleiben aus. Ich nehme an, auch das Aussprechen einer Entschuldigung für dieses Versäumnis haben Sie in ihrer Mail nicht absichtlich vergessen.
  2. Sie legen die „unbewilligte“ MRT Untersuchung des Kiefers als Akt der Nächstenliebe aus („Kulanz“ = freiwilliges Entgegenkommen), wobei ich mich schriftlich dazu verpflichtete, die Bewilligung nachzureichen; 50 Euro zu hinterlegen und im Falle des Versäumnisses der Nachreichung das MRT privat zu bezahlen. Ihr angeführtes „streng genommen“ gibt es in diesem Kontext also nicht. Andernfalls hätte sich die Praxis strafbar gemacht (ups).
  3. Sie begründen das unnötige MRT des gesamten Halses damit, dass ich keine Bewilligung hatte (Kausalität?).
  4. Sie begründen die Tatsache, dass nicht ausschließlich der Kiefer untersucht wurde – wie ich während der Untersuchung mehrmals anmerkte – damit, dass ich keine Bewilligung hatte (Kausalität?).
  5. Sie bezeichnen mich und mein Verhalten als „dreist“.

Zusätzlich haben Sie sich aber noch einige Extrapunkte verdient:

Sie legen mir nahe, mich bei Rückfragen an den mich „untersuchenden arzt“ zu wenden, der trotz dem Definieren zweier Vestibularisschwannome im Gehirn – unter uns: DAS Charakteristika einer NF2 – nicht in der Lage war, die Diagnose der NF2 zu stellen, sondern anmerkte diese „auszuschließen“. Ist das auch als Akt der Nächstenliebe zu deuten oder ihre professionelle Empfehlung?

Und nicht zuletzt meine ehrliche Bewunderung für das Anführen des Fremdwortes „Kulanz“ unter Ihrem gleichzeitigen Missachten jeglicher Groß- und Kleinschreibung.

Wie sie sehen, haben Sie sich den 1. Platz mehr als verdient.

Abschließend möchte ich mich noch über ihren Vorschlag bedanken, dass ich nur mehr mit gültiger Bewilligung untersucht werde: machen Sie sich die Mühe nicht. Ich habe nicht vor, Ihre Praxis noch einmal zu betreten.

Falls Sie das Krankheitsbild der NF2 nach unserer austauschregen schriftlichen Begegnung noch interessiert, darf ich Ihnen den Blog meinenarbenundich.com empfehlen. Dort werden Sie vielleicht einiges Interessantes über das Leben mit dieser Erkrankung erfahren.

Luise“

Ende

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s