Gib mir Saures! Ein Nachruf

Gab  es sie  bei euch früher auch daheim? Die Süßigkeitenschublade! Dort wo alles war, oder zumindest so manches, was das junge Herz begehrte: Schokolade, Chips, Haribo usw. Neben dem Kasten Malzbier im Keller einer DER Highlights der Nahrungsaufnahme – vor allem weil die Schublade in den meisten Fällen leer war…

Na jedenfalls bin ich nach Jahren Krankenhauserfahrung in den Genuss der spitalen Süßigkeitenschublade gekommen – denn JA! Es gibt sie. Es war irgendeine schwierige Operation. Ich glaube eine Resektion im Spinalkanal der Halswirbelsäule. Ich lag lädiert, betäubt und schmerzleidend mit Halskrause im Bett. Ich erinnere mich noch an den bitter-säuerlichen Geschmack, der mich durch den Mund atmend, Stunden zuvor narkotisiert hatte. Für alles außer dem Beschweren noch zu schlapp, fühlte ich plötzlich etwas Kühles an meinem Mund. Ich erkannte einen zitrusartigen Geschmack.

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Es war eine Art großes Wattestäbchen mit Zitronengeschmack – erfrischend. Glückselig über meinen wattigen Lutscher, entkam ich dem Narkosegeschmack, beruhigte mich und versuchte alles hinter mir zu lassen: die beängstigende Operation, das Gefühl der Ungewissheit vor dem medikamentösen Schlaf und den dumpfen Schmerz. Ich ließ mir von einem Wattestäbschen die Lippen benetzen und eventuell schenkte ich meiner Mama ein Lächeln. Mittlerweile kennen wir den Aufenthaltsort dieser Zauberstäbchen und wann immer ich sie brauche, werden sie aus der Süßigkeitenschublade geholt, wo sie neben Kanülen und Waschlappen ihr ungemein wichtiges Dasein fristeten.

Wie ich gerade im Moment von einer Betroffenen erfahren musste, gibt es lemon sticks leider nicht mehr.  Warum diese kostbaren Stängel nicht mehr produziert werden, bleibt mir völlig schleierhaft. So möchte ich diesen Beitrag nutzen und sie in Ehren halten: Ihr wart mir immer ein Freund und Helfer. Ich werde euch nie vergessen! #lemonsticksforever.